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Bevor es Velber gab

Wir wissen zwar nicht genau, wie lange es den Siedlungsplatz, der heute Velber heißt, schon gibt. Aber immerhin lassen sich vorgeschichtliche Zeiträume benennen, für die wir eine Siedlungskontinuität zum mittelalterlichen bzw. heutigen Dorf praktisch ausschließen können. So sollten wir uns, um ein Beispiel zu nennen, nicht vorstellen, dass die Bronzezeitmenschen, die im Velberholz Grabhügel errichteten, sozusagen „in Velber wohnten".

Ende der Eiszeit - erste Menschen

Doch gehen wir zunächst noch weiter zurück. Als vor rund 18000 Jahren eine allmähliche Erwärmung das Ende der (vorläufig) letzten Eiszeit einleitete, ließ das Eis - neben ungeheuren Schmelzwassermassen, die z. B. das Stromtal der Leine formten - eine unwirtliche kalte Steppe zurück. Die Erwärmung bis auf das Niveau unseres heutigen gemäßigten Klimas dauerte etwa 8000 Jahre, und mit ihr breitete sich von Süden her eine vielfältige Vegetation aus. Im Wege der natürlichen Sukzession wuchsen schließlich in ganz Mitteleuropa riesige Wälder heran, die vor rund 7000 Jahren auch unser Gebiet zu großen Teilen bedeckt haben dürften. Die Entwicklung des Menschen begann vor etwa 600000 Jahren, also während des Eiszeitalters. Da er seine ersten Werkzeuge aus Stein formte, nennen wir die Frühzeit der Menschheit Steinzeit. Nach einer halben Million Jahren menschlicher Entwicklungsgeschichte bot das Ende der Eiszeit den nomadisierenden Jägern und Sammlern günstigere Lebensbedingungen und während der mehrtausend-jährigen Erwärmungs- und Bewaldungsphase lebten sie sicherlich auch in unserem Raum. Oft folgten steinzeitliche Jäger den riesigen Rentierherden, die vor der weitgehenden Bewaldung in Mitteleuropa heimisch waren.

Der Mensch wird sesshaft

Die immer dichter werdende Bewaldung erschwerte die Jagd, verdrängte die Rentiere immer weiter nach Norden und forderte von den Menschen neue Überlebensstrategien. Während der sog. Jungsteinzeit setzte sich hier vor 6000bis 7000 Jahren allmählich eine grundsätzlich neue Lebensweise durch, die ihren Ursprung im klimatisch begünstigten Vorderasien hatte. Die Menschen wurden sesshaft. Sie rodeten Wald, bauten feste Hütten, säten "Getreide" (also relativ ergiebige Gräser, die ebenfalls aus Vorderasien kamen), zähmten Nutztiere. Für die Menschheitsgeschichte war dies ein so einschneidender Wandel, dass die Wissenschaft von der Neolithischen Revolution spricht. Es war der Beginn einer bäuerlichen Lebensweise, die Jahrtausende Bestand haben sollte. Aus der Jungsteinzeit stammt das Bruchstück eines Steinbeiles, welches 1986 an Velbers westlichem Dorfrand (nördlich des ehemaligen Gutshofes) gefunden wurde. Im Norden der Gemarkung Velber, westlich vom britischen Militärfriedhof, wurden verschiedene bearbeitete Flintstücke aus der Jungsteinzeit gefunden.

Velber als früher Siedlungsplatz

Die sesshaft werdenden Menschen bevorzugten die besonders fruchtbaren und wegen ihrer Feinkörnigkeit zudem leicht zu beackernden Lössböden, wie sie südlich der Leine vorkommen. Die natürliche Lage Velbers bietet wesentliche Faktoren, die für frühe Siedler von größter Wichtigkeit waren: leichte Hanglage oberhalb der Fösseniederung, dort Frischwasser, fruchtbare Böden, Wald.

Pflug mit Rindern
Pflügen mit Rindern in der Bronzezeit.
Nach einer skandinavischen Felszeichnung.
Einzig der Wald könnte zugleich ein einschränkender Faktor gewesen sein, wenn wir davon ausgehen, dass umfangreiche Rodungen notwendig waren, um Siedlungs- und Wirtschaftsflächen zu gewinnen. Mit den primitiven Werkzeugen der Jungsteinzeit war die Rodung größerer Flächen ein äußerst mühsames Unterfangen. Doch wie dem auch sei, die rasche Ausbreitung der bäuerlichen Lebensweise und das damit einhergehende Bevölkerungswachstum führten dazu, dass unsere Landschaft wohl schon zu Beginn der Bronzezeit, vor rund 3800 Jahren, weitgehend vom Menschen und seiner Landwirtschaft geprägt war.

Hügelgräber im Velberholz

Von "frühen Velberanern" kann immer noch keine Rede sein, aber in der Bronzezeit haben nach weislich Menschen in unmittelbarer Nähe des späteren Dorfes, vielleicht sogar am selben Platz gelebt und hier ihre charakteristischen Hügelgrabstätten errichtet. Südwestlich von Velber, ein Stück abseits der Von-Lenthe-Allee, sind bis heute zwei flache Grabhügel erhalten. Wieweit zu diesem Zeitpunkt der Wald zurückgedrängt war, wird an dem großen Hügelgräberfeld am Benther Berg deutlich. Zum Zeitpunkt der Bestattungen wird die betreffende Fläche höchstwahrscheinlich weitgehend frei von größeren Bäumen gewesen sein. Dementsprechend war anscheinend auch der Wald in der Fösseniederung schon deutlich gelichtet.

Siedlungskontinuität seit dem Mittelalter

Wir müssen davon ausgehen, dass die Sesshafttigkeit der frühen Bauern noch jahrtausendelang zumeist nur eine zeitweilige war. Zahlreiche Grabungsbefunde zeigen exemplarisch, dass immer wieder Siedlungsplätze aufgegeben oder verlegt worden sind (manchmal nur um einige hundert Meter), ohne dass wir heute sagen könnten, wo die jeweiligen Ursachen lagen. So können wir nach gegenwärtigem Kenntnisstand von einer sicheren Siedlungskontinuität in Velber erst seit der vor knapp 1000 Jahren einsetzenden schriftlichen Überlieferung sprechen. Wie die meisten Calenberger Dörfer dürfte Velbers alter Siedlungskern um die Kapelle herum, seine bis ins 20. Jahrhundert erhaltene Gestalt im späten Mittelalter erhalten haben. Nach einem stetigen Bevölkerungswachstum bis ins hohe Mittelalter brachte das 14. Jahrhundert durch die Pest, eine Klimaverschlechterung und andere Faktoren eine Bevölkerungs- und Agrarkrise, in deren Folge viele (oft jüngere) Siedlungsplätze aufgegeben wurden, "wüst fielen". Die Velber am nächsten gelegene bekannte Wüstung ist Immendorf. Die nur wenige Höfe umfassende Siedlung lag dort, wo später die Harenberger Mühle errichtet wurde. Die nach der Wüstungsperiode verbleibenden (meist älteren) Dörfer wuchsen teilweise im Zuge dieser Konzentrationsbewegung erst zu "richtigen" Dörfern heran. Im Fall Immendorf traf dies wohl vor allem auf das direkte Nachbardorf Harenberg zu. Für Velber lässt sich ein in diesen Zusammenhang zustellendes Wachstum nicht nachweisen.

NORBERT SAUL

Literatur

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